Donnerstag, 6. Juni 2013

Sons Of Devastation

                                                               EINS                                                             

Vielleicht ist es schon Schmerz, vielleicht auch nur Einbildung. Oder der Gedanke daran. Der Gedanke an den Schmerz, den ich mir wahrscheinlich nur einbilde?
Mit jeder vergehenden Sekunde scheint die Fläche, an Struktur zu verlieren. Rotierend verschwimmt das schöne, einheitliche Gesamtbild, als säße ich hier und würde kleine Steinchen in den Teich werfen, den meine Wand darzustellen scheint. Doch ich werfe nichts. Habe nichts in meinen Händen, denn ich sitze nur hier. Ohne Erwartungen, ohne mich selbst zu beachten. Ich bin mir egal.
Ein Geräusch. Leise erreicht es meine Ohren, es kommt von außerhalb. Nicht aus diesem Zimmer. From outer space. Fuck, ja. Ein unbekannter Klang. Scheiße, ja verdammt! Während der Putz an meiner Wand weiter verläuft und auf das frisch verlegte Pakett tropft, lausche ich. Ich lausche dem Geräusch from outer space und dann plötzlich. Peng. Etwas knallt, Lärm erfüllt das Zimmer. Gelächter glaube ich zu hören. Der Putz hat sich bereits zu mir vorgearbeitet und meine Füße stehen in der kalten, körnigen Masse. Ich zittere. Die Wand ist nicht mehr blickeswert. Ganz andere Sorgen haben gerade den Raum betreten. Nein. Sie haben ihn infiltriert. Diese Schweine, sie sind da. Mein Blick gilt den zwei Wesen zu meiner Linken. Wie eine Abhängige klebt sie augenscheinlich an seinem besten Stück, ihre Handflächen an seinen Arsch gepresst. Ihr Kopf macht bekannte Bewegungen, die ich in meinem Leben zum ersten Mal sah, als mein Vater, diese Schwuchtel, noch berufstätig war. Wie der plötzlich donnernde Knall, erschüttert mich auch dieser Antrieb, den ich spüren kann. Ich stütze mich mit meinen Händen ab und erhebe meinen schweren Körper aus dem Sumpf der Paralyse. Die zwei Wesen ignorieren mich vollkommen. Bin ich etwa tot? Nach drei unsicheren Schritten auf meinen weichen Beinen, ziehe ich mein Knie zur Brust, lasse meinen Fuß auf ihren Schädel herabsausen, lausche dem dumpfen Schlag und bemerke, dass ich noch lebe, als sie über das Pakett schlittert und mit dem Kopf gegen das Tischbein meines Schreibtisches schlägt und regeungslos liegen bleibt. Er macht einen Schritt zurück, starrt mich an und breitet die Arme aus.
,,Fuck! Du Wichser, du verfickter Wichser
,,Bleib doch mal stehen, manˮ, sage ich und halte ihn an den Schultern fest.
,,Bleib doch mal stehen?ˮ
,,Ja, man. Du wackelst. Hör auf damit.ˮ
,,Alter. Hast du denn nicht gesehen, dass diese Schlampe mir gerade den Schwanz gelutscht hat?ˮ
Ich schaue ihm tief in die Augen und sehe Ratlosigkeit. Große Verzweiflung.
,,Schlampe?ˮ
,,Ja. Eine dreckige Schlampe. Aber sie bläst halt gut, manˮ, sagt er und verpasst mir einen leichten Schubser.
,,Schlampeˮ, flüstere ich und gehe schnellen Schrittes auf sie zu.
Noch immer liegt sie am Boden und bewegt sich nicht. Ich packe ihre Schulter und drehe sie auf den Rücken. Nicht eine Sekunde verschwende ich damit, nachzudenken und schlage auf ihr Gesicht ein. Ich bin ein Raubtier, ein hungriger Löwe. Ein unaufhaltbarer von Kriegsspielen inspirierter Amokläufer. Ich bin der Anders Behring Breivik der Vereinigten Staaten. Wie aus einem MG abgeschossen, schlagen meine Fäuste in ihrem Gesicht ein, zerbrechen Nase, Kiefer und zwingen das Blut aus ihren Lippen über den Boden zu spritzen. Die letzten Schläge folgen auf das Jochbein. Ich hebe meine Faust neben mein Ohr und schlage zu. Die andere Hand krallt ihren Hals. Zur Krönung stoße ich meinen Ellbogen gegen ihre schönen blutbespritzten Zähne und breche ein paar davon aus dem Zahnfleisch. Dann lasse ich von ihr ab und taumle wie benommen ein paar Schritte zurück. Alles dreht sich, die Welt steht Kopf. Das Mädchen auf meinem Boden. Es bewegt sich immer noch nicht. Plötzlich spüre ich eine Hand auf meiner Schulter, ich zucke zusammen. Mein Kumpel, Lemmy, der gerade eben noch das Vergnügen mit ihr hatte, steht kopfschüttelnd vor mir und lächelt.
,,Man, Franky. Was bist du nur für ein Spasst? Das ist ja wahnsinnigˮ, sagt er und beginnt, zu lachen.
,,Lemmy?ˮ
,,Ja, Franky?ˮ
,,Hab' ich dich nicht gebeten, damit aufzuhören?ˮ, frage ich und ringe nach Luft.
,,Mit was soll ich denn aufhören?ˮ
,,Du wackelst, man. Du wackelst so sehr.ˮ
,,Alter. Was hast du für'n krassen Shit genommen, man?ˮ
Wieder höre ich sein Lachen, das mir schon immer auf die Nerven ging, wenn ich es hörte. Ich atme drei Mal tief durch. Durch die Nase ein, kurz halten, dann strömt die Luft durch meinen Mund wieder aus. Ein und wieder raus mit der Luft. Ein, aus.
,,Liquid Extasy.ˮ
,,Man. Du hast Liquid X im Haus und sagst mir nichts?ˮ, sagt Lemmy und schaut mich entgeistert an.
,,Ja. Feinste Gamma – Hydroxybutansäure, man. Willste was?ˮ
,,Geh mir nicht mit deinem fachmännischen Gelaber auf den Sack und lass' was rüberwachsen.ˮ
,,Rechts. Zweite Schublade von untenˮ, sage ich und zeige mit dem Finger Richtung des Schreibtisches, vor dem das Drecksstück liegt, das ich zusammengeschlagen habe.
,,Alles klar, manˮ, sagt Lemmy, klopft auf meine Schulter und geht an mir vorbei, doch ich halte ihn am Arm fest.
,,Lemmy. Deine Bitch da drüben, man. Sie steht einfach nicht mehr auf. Entschuldige bitteˮ, sage ich und lasse ihn wieder los, woraufhin er seinen Weg zum Schreibtisch fortsetzt.
,,Vielleicht solltest du dir nicht so viele Trips verpassen, Franky.ˮ
Ich schaue ihn an, er erwidert meinen Blick. Wir lächeln. Dann lachen wir. Er holt das Liquid X aus der Schublade und mein Weg führt mich auf die Toilette.
Jetzt, als ich die Zimmertür öffne und raus in die Menschenmasse starre, blinzel' ich und spüre die absolute Trockenheit auf meinen Augen. Schmerz, Einbildung oder nur der Gedanke daran? Ich habe mich entschieden. Es ist einfach nur verdammt unangenehm.

Ich bahne mir einen Weg durch die Horde von Gästen, die ich in meinem Flur stehen habe. Jeder hält eine Flasche oder einen Becher in seinen Händen. Sie lachen, jubeln und führen Unterhaltungen. Zwei von ihnen scheinen sich zu streiten, die einen oder anderen stehen in den Ecken des Hauses und schieben sich gegenseitig die Zungen in den Hals. Ein gewaltiges Stimmenchaos herrscht über alle Anwesenden, mein Kopf droht, zu platzen, entkomme ich nicht bald aus dieser misslichen Lage. Ich glaube, ein wenig verwirrt zu sein und packe den Nächstbesten am Kragen, um ihm eine der mir wichtigsten Fragen zu stellen.
,,Wo kommt ihr alle her?ˮ schreie ich und versuche, seine tiefsten Gedanken durch die Augen zu erblicken.
Was ich will, ist eine vernünftige Antwort. Was ich kriege, ist ein entsetztes Gesicht. Ein Gesicht voller Furcht und Schrecken, eines dieser, die ich sehr gut kenne.
,,Hallo, aufwachenˮ, sage ich und verpasse dem Typen, dessen Leben in den Händen seiner Antwort liegt, eine Backpfeife, die ihn sicherlich an die Party heute nacht erinnern wird, wenn er morgen in der Früh den Horror des nächsten Morgens begrüßen darf.
Sein starrer Blick lockert sich, er bewegt hektisch die Augen, als würden sie durch die Erschütterung meines Schlages hin und her wackeln. Dann holt er Luft... ,,Gib' mir 'ne Antwort, du Spasstˮ... und ich unterbreche ihn, während mir der Gedanke kommt, er hätte vielleicht etwas sagen wollen. Was soll's.
,,Franky, wir sind deine Gäste. Du hast uns eingeladen, man. Du schmeißt hier 'ne Party.ˮ
,,Verarsch' mich nicht, Wichser!ˮ
Mein Griff festigt sich. Ich mache einen Schritt vorwärts und drücke ihn gegen die Wand, komme mit meinem Gesicht ganz nah an seines.
,,Ich verarsch' dich nicht. Was ist mit dir los, man?ˮ
,,Das ist nicht meine Party, ihr verfickten Hosenscheißer seid nicht meine Gäste!ˮ
,,Franky, man. Ich erzähl' kein Scheiß. Ehrlich. Vor zwei Tagen hast du eingeladen. Deshalb sind wir alle hierˮ, erklärt er und lächelt.
,,Und wer bist du, verdammt?ˮ
,,Ich bin Mickey. Dein Nachbar, alter.ˮ
Ich denke kurz nach, lasse alles auf mich wirken. Viele Blicke richten sich auf mich, scheinbar falle ich auf.
,,Ich glaube dir, manˮ, sage ich ihm und schlage meine Faust, an der noch das Schlampenblut klebt, in seine Visage.
Langsam sinkt er zu Boden. Sein Schädel hat einen deutlichen Hinweis auf Gewalteinwirkung von außen auf der Wand hinterlassen. Das Rigibs unter der glatten Vliestapete ist gebrochen, die Tapete ein wenig eingerissen. Ich steige über seine Beine, die mir im Weg liegen, und lasse die anderen, die ihm nun helfen wollen, hinter mir.
,,Franky, du krankes Arschlochˮ, brüllt irgendein zartes Stimmchen.
Wahrscheinlich eine Frau. Unwichtig.
Nur noch wenige Schritte ist mein Ziel entfernt. Es pocht an vielen verschiedenen Stellen meines Körpers, mein Sichtfeld ist durch einen schwarzen, schattigen Rand eingeschränkt. Es flimmert, alles ist so unscharf. Mit höchster Vorsicht setze ich meine Füße im Wechsel voreinander. Rechts, links. Rechts und links. Ich komme der Badezimmertür langsam näher. Es kann sich nur um wenige verbleibende Zentimeter handeln, bis ich die Türklinke mit meiner Hand umschließen und die Pforte zum stillen Örtchen öffnen werde. Der Rand um meine Sicht wird immer dicker, das Sichtfeld enger, das stroboskopische Flimmern immer schneller. Es wird wilder. Ich sehe die Dunkelheit auf mich zukommen und stehe abrupt an einem Ort, an dem ich keinen Boden unter meinen in löchrige Socken gesteckten Füßen spüren kann. Ich weiß weder, wer diese ganzen Menschen hier sind, noch ob ich mein Ziel erreichen werde. Das Gefühl, in einem völlig anderen Universum zu sein, lässt mich nicht los. Dann wird es endgültig duster und schreiend versuche ich noch, den Gedanken, dass Liquid Extasy eine verdammt geile Scheiße ist, zu greifen und mit in das Traumland zu nehmen.

Ein übler Geruch steigt in meine Nase. Seine beißende Wirkung reaktiviert mein System, schwerlastig trennen sich meine Lider und ich erblicke das Licht der Welt. Das Donnern der vorbeifahrenden Züge und das Kreischen ihrer Bremsen schlagen wie ein Regenschauer auf mein Trommelfell. Hinweistöne, Ansagen für Passagiere, alle rennen kreuz und quer irgendwohin in irgendeine Richtung, sie reisen an irgendeinen Ort. Jeder ist sorgfältig in Mütze, Schal und Winterjacke eingepackt, die kalten, grauen, trostlosen Tage sind noch nicht vorbei. Der Sommer steht noch nicht vor der Tür.
Ich schaue an meinem Leib herab und sehe den Ursprung des penetranten Geruchs. Der notorische, liebliche Duft von Kotze.
,,Guten Morgen.ˮ
Ich hebe meinen Kopf und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Aus dem menschlichen Kaos tritt plötzlich mein Kumpel Lemmy vor. Neben all den Reisenden, die mit ihrem Ohr am Handy und mit dem Finger auf dem Touchscreen kleben und ihren Verstand vollständig an ihren Super-Duper Tablet PC abgegeben haben, ist er der Einzige, der etwas wirklich Sinnvolles mit sich trägt. Er geht in die Hocke und hält mir einen Becher vor die Nase.
,,Kaffee?ˮ
Ich verfolge die freie Laufbahn des Dampfes, den die heiße Flüssigkeit an die Luft abgibt, wie ein Junge, der von irgendetwas absolut fasziniert ist.
,,Guten Morgenˮ, sage ich und nehme ihm den Becher aus der Hand.
,,Du siehst aus wie 'n Stück Scheiße, man.ˮ
Ich nehme einen Schluck und genieße diesen, solange ich kann. Meine Zunge schwimmt in der heißen Brühe, die Geschmacksnerven signalisieren den Geschmack von frischem, schwarzem Kaffee und ich muss lächeln. Ein Mann im feinen Nadelstreifenanzug und mit schwarzer Aktentasche geht an mir vorbei, wirft mir einen abwertenden Blick zu und einen Ein-Dollarschein vor die Füße. Dann schüttelt er den Kopf, als könne er für meine Situation kein Verständnis aufbringen und ich betrachte den Schein und seine Visage im Wechsel. Ich werfe ihm den Becher gegen den Kopf, er hebt die Hände an sein Gesicht und schreit auf. Fluchtartig verlässt er meine Nähe und ich sehe seinen dampfenden Kopf in der Menge verschwinden. Ich widme mich wieder Lemmy, der sich vor Lachen kaum halten kann.
,,Du bist heute ja richtig gut gelauntˮ, sagt er.
,,Ich nehme an, wir müssen uns einen neuen Kaffee besorgen. Alter, was mache ich vollgekotzt am Bahnhof? Ich habe ja nichtmal Schuhe an.ˮ
,,Du bist nicht nur vollgekotzt und schuhelos, mein Freundˮ, sagt er und drückt mit seinem Zeigefinger in mein Gesicht.
Ich spüre unter meinem rechten Auge einen Schmerz, der sich schnell in meinem Kopf ausbreitet, und zucke zusammen.
,,Fuck. Habe ich ein blaues Auge?ˮ
,,Ja. Weißt du denn gar nichts, man? Die Nacht war völlig hardcore, alter. Wir haben bei dir 'ne riesen Party veranstaltet, einige Leute waren da. Drogen und Alkohol in Massen. Du warst auf einem höllischen Trip, hast auf eine bewusstlose Frau eingeprügelt, die mir vorher einen blasen wollte, man.ˮ
Ohne ein Wort von mir zu geben, fange ich an, herzhaft zu lachen. Nach einigen Sekunden steigt Lemmy mit ein.
,,Oh man. Muss ja ne krasse Nacht gewesen sein.ˮ
,,Gehen wir ins Diner 66, James wartet auf uns.ˮ
,,Klar, da holen wir uns einen neuen Kaffeeˮ, sage ich und ziehe mich am Geländer, an dem ich wohl die ganze Nacht lehnte, nach oben auf meine Füße.

Jeder Schritt hinterlässt einen wässrigen Fußabdruck auf dem Boden. Das Wasser steht in meinen Strümpfen, ich fühle mich, als würde ich in zwei Wassereimern durch die Gegend spazieren. Bei jedem Schritt schallt ein schmatzendes Geräusch durch das ruhige Diner, wenn sich das Wasser aus den Socken drückt. Ich friere, den vollgekotzten Pullover habe ich ausgezogen und einem Streeter geschenkt. So nennen wir hier die Obdachlosen. Lemmy und ich gehen an den ersten drei Tischen, die auf der rechten Seite stehen, vorbei und setzen uns an den Vierten, wo James sitzt, in einen Donut beißt und auf uns wartet.
,,Was geht ab, Nigger?ˮ, sagt Lemmy und nimmt neben James Platz.
Ich setze mich ihm gegenüber. Nein. Er ist kein Nigger im übertragenen Sinn. Lemmy verpasste ihm diesen Spitznamen, nachdem er sich bei seinem Junggesellenabschied in einem heruntergekommenen Bordell von einer Hure ins Gesicht scheißen ließ. Man war das 'ne Nacht.
,,Was geht, Jungs? Wollt ihr Donuts? Ich geb' 'ne Runde aus.ˮ
,,Klar, man. Und 'nen Kaffee auch gleich dazuˮ, sagt Lemmy und steckt sich eine Zigarette zwischen die Lippen.
,,Hat mal jemand Feuer?ˮ
,,Hierˮ, antworte ich und halte ihm mein Feuerzeug ans Ende der Zigarette.
,,Was willst du, Franky?ˮ, fragt james.
,,Pancakes und 'nen Kaffee.ˮ
,,Alles klar. Rosie! Drei Kaffee, vier Donuts und ein Mal die Pancakes, bitteˮ, ruft er quer durch das Diner.
Rosie, die Chefin des Hauses, sieht ihn an und nickt, während sie sich ihre Hände an einem Geschirrtuch abtrocknet.
,,Klar dochˮ, antwortet sie.
Ich bin gerne im Diner 66. Hier gibt es guten Kaffee, die besten Pancakes weit und breit und eine hübsche Bedienung noch dazu. Die Wände sind mit Kunststoffplatten verblankt und mit diversen Blechschildern beschmückt, die auch entlang den Highways und den gazugehörigen Tankstellen zu sehen sind. Der Boden besteht aus alten, knarrenden Holzdielen, die Tische haben zwei Metallrohre als Beine, die fest im Boden verankert sind, die Platte ist aus Holz, mit einem Kunststoff beschichtet. Die Bänke sind auf den Sitzflächen gepolstert und mit einem weichen Stoff überzogen. Hier kann man es sich richtig gemütlich machen.
,,Hey, Jungs.ˮ
Das hübsche Mädchen stellt ein Tablett auf unseren Tisch und verteilt die Tassen an uns. Ihr Lächeln ist wunderschön, ihre kleinen Augen so niedlich. Mal davon abgesehen, hat sie dicke Titten und 'nen geilen Arsch. Endlich guter Kaffee.
,,Dankeˮ, sage ich und gönne mir den ersten Schluck.
,,Um was geht's hier eigentlich, man?ˮ
,,Uh, Franky will mal wieder schnell zur Sache kommenˮ, sagt James und legt ein Plastiktütchen mit weißem Pulver auf den Tisch.
,,Um Koks? Brauchst du einen Vorrat? Kann dir 'ne Menge von dem Zeug geben.ˮ
,,Und er hat auch übles Liquid X am Startˮ, wirft Lemmy ein und nimmt einen Zug an seiner Kippe.
,,Von dem Zeug hab' ich selbst genug. Bei mir steht heute 'ne fette Party an. Das Zeug hier wird es in Massen gebenˮ, sagt er und fuchtelt mit dem Tütchen vor meinem Gesicht rum.
,,Und wir sind herzlich eingeladen?ˮ, frage ich James und trinke einen weiteren Schluck aus meiner Tasse.
Währenddessen bringt uns Rosie die Donuts und meine Pancakes.
,,Lasst es euch schmeckenˮ, sagt sie und verschwindet mit einem Lächeln.
,,So in etwa, Franky. Ich weiß, dass ihr eine harte Nacht hinter euch gelassen habt. Ich konnte leider nicht dabei sein, aber das wird der Kracher. Also, seid ihr dabei?ˮ
Lemmy schaut mich an und pustet mir den Qualm seiner Zigarette entgegen.
,,Jaˮ, sagt er und beißt in seinen Donut.
Die Beiden schauen direkt in meine Augen, ich kann in ihren Blicken sehen, dass sie voller Erwartungen sind, und gespannt auf eine Antwort meinerseits warten. Ihre Unterkiefer bewegen sich runter und rauf, das Gebiss zermalmt den Teig der Donuts. Ich trinke noch einen großen Schluck von meinem Kaffee, ganz langsam, ich lasse sie noch ein Weilchen zappeln.
,,Erstmal brauch' ich 'n paar Schuhe. Und 'ne Jacke wäre angebrachtˮ, sage ich und nehme noch einen Schluck.
,,Und wenn du das alles hast?ˮ, fragt James.
,,Na dann machen wir Partyˮ, antworte ich und sehe die Erleichterung in seinen Augen.
Ich schnappe mir Messer und Gabel und beginne, die leckersten Pancakes der Welt zu essen.

James öffnet die Tür und die Vibrationen der Bässe, die man bereits im Treppenhaus hören konnte, durchströmen meinen Körper. Lemmy schiebt sich an mir vorbei, streckt die Arme in die Luft und schreit irgendeine Art Begrüßung, die keine Sau versteht. Ich zumindest verstehe nur Gebrüll. Ein paar Gäste heben ihre Becher, einige ignorieren ihn. Die Musik ist viel zu laut, man versteht sein eigenes Wort nicht. Die Erschöpfung hat sich noch nicht verabschiedet, mir ist kotzübel und eigentlich will ich in mein Bett. Pläne ändern sich nunmal.
Ich folge James in einen großen Raum, der wie ein Wohnzimmer eingerichtet ist.
,,Also, Franky. Ich schlage vor, wir zieh'n erstmal 'ne Line feinstes Koksˮ, schreit er.
Unterhaltungen sind nur schreiend und mit höchster Konzentration möglich. Ich habe keine Lust, zu schreien und nicke. Daraufhin zeigt James mir sein schönstes Lächeln, schiebt aus dem verstreuten Kokain, das auf dem Tisch liegt, vor dem wir stehen, großzügig zwei Lines zurecht und reicht mir ein abgeschnittenes Stück Strohhalm. Ich setze an und ziehe den Schnee durch den Strohhalm in meine Nase und er sitzt. Der gewaltige Schub überwältigt mich. Die Nacht kann beginnen und ich weiß, sie wird asozial und brutal. Schreie wird es geben, Menschen werden leiden, Knochen werden brechen, Blut wird fließen und Spermien werden spritzen. Das ist krank. Doch es ist so.


                                                               ZWEI                                                             

Einige Stunden später...

Nach jedem Schritt ist eine ein- bis zweisekündige Pause nötig, um das Gleichgewicht zu halten. Die Umgebung ist verdreht, baut sich zur Spirale der Verdammnis und somit zum Weg ins Verderben auf. Die Wolken haben sich zusammengetan, um uns auf die Köpfe zu pissen und vollkommen durchnässt, umschlossen von eisiger Kälte, im matschigen Erdboden zurückzulassen. Bevor ich zum nächsten Schritt ansetzen kann, erfasst mich ein starker Windstoß von der Seite, reißt mich um und ich lande mit der Fresse im Dreck. Gleichgewichtsstörungen, ich hasse sie. Nach wenigen Sekunden, die ich brauche, um zu registrieren, was gesehen ist, drücke ich mich mit meinen Armen hoch und stehe auf. Auf meinem Brustkorb lastet ein schwerer Druck, das Atmen fällt mir nicht leicht. Noch drei Schritte, höchstens vier. Dann bin ich nah genug am Geschehen, um zu sehen, was hier verdammt nochmal am Laufen ist. Ich starre gerade aus, versuche irgendetwas in der Dunkelheit zu fixieren. Da ist nichts, doch ich habe das Gefühl, es funktioniert. Vorsichtig hebe ich den rechten Fuß an und setze ihn schwankend vor dem Linken ab. In den Oberschenkeln brennt es, der Rücken schmerzt und dicke Wassertropfen versperren die Sicht ins Nichts. Ja es sind fast schon Bomben des Himmels, die die von allen so geliebte, höhere Macht auf unsere Schädel einschlagen lässt. Dass dieser Pisser dort oben ein dreckiger, schonungsloser Hurensohn ist, wissen wir jedoch alle bereits. Jetzt der nächste Schritt. Konzentration. Innere Ruhe. Ich habe Zeit, ganz langsam. Die folgenden zwei Schritte sind erfolgreich, doch urplötzlich sitzt mir diese fiese Übelkeit im Magen. Ich versuche, tief durchzuatmen, die Gemüter aller Beteiligten etwas zu beruhigen. Die Galle breitet sich schleichend im Mundraum aus. Kurze Zeit später entlässt sie sich und den Mageninhalt aus meinem Körper und der Schwall des Erbrechens spritzt auf einen nackten Rücken, den ich an der Tätowierung erkennen kann, bevor sie von meiner Kotze überdeckt wird.
Ich blicke auf und schaue in das verheulte Gesicht eines Unbekannten in einem Erdloch, der eine Schaufel in einen Erdhaufen schmeißt. Er blutet stark, seine Augen sind so dick angeschwollen, dass er beinahe nichts mehr sehen kann und vor ihm, am Rande des Lochs, steht James, der gerade ausholt, um ihm einen Tritt in die Fresse zu verpassen. Vermutlich. Sein Bein schwingt am anderen vorbei und Blut spritzt in die braune Brühe aus Wasser und Erde, bevor der Unbekannte gänzlich im Loch verschwindet.
,,Weiter, Bastardˮ, schreit James.
Dann schaue ich rüber und betrachte noch einmal genauer den Rücken. Der Regen hat die hellbraune, zähe Masse mittlerweile abgespült und alles hängt auf seinen Waden. Der widerliche, beißende Gestank bleibt aus. Lemmy scheint das nicht zu interessieren. Er hat andere Sorgen, die mit seinem Schwanz verbunden sind, der im Arschloch eines weiteren unbekannten, jungen Mannes steckt. Langsam zieht er ihn heraus, bis sich die Eichel zeigt. Mit aller Wucht stößt er seine Hüfte dann nach vorn, um die Eichel wieder zu versenken. Bei jedem Stoß schreit der junge Mann laut auf, aus seinem steifen Penis tropft der Lustsaft in den Matsch, wenn Lemmys Hoden seine nach vorn drücken. Lemmy ist keine richtige Schwuchtel. Mit wenigen Ausnahmen von ein paar Nutten, fickt er nur am Wochenende Männer.
,,Fuck. Was ist hier los, verdammt?ˮ
Ich erwarte eine Antwort, doch ich kriege auch nach mehreren Augenblicken keine. Lemmy fickt, James foltert, ich stehe da, zittere am ganzen Körper und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Die Sicht wird klarer, die Umgebung festigt sich wieder und erdrückende Kopfschmerzen treten ein. Die Wirkung lässt nach. Ich habe keine Ahnung, was ich mir reingepfiffen habe, doch die Wirkung lässt nach. Ich schaue an mir herab, suche den Boden ab. Kurz darauf habe ich einen handgroßen, schweren Stein in meinem Besitz und kann versuchen, nochmals um eine Antwort zu bitten. Mein Blick richtet sich auf den Unbekannten, in dessen Arschloch Lemmys Keule steckt, und ich laufe los. Meine Schritte sind stabiler, die Beine wieder stärker. Das Gefühl, jeden Moment zusammenzubrechen, schwindet langsam aus meinem Körper und ich sehe zu, wie die rote Soße, die auf den Boden spritzte, als ich ihm den Stein über den Schädel zog, in der wässrigen Erde versickert. Er gibt ein leises Quieken von sich, das der Lärm des Regens beinahe übertönt, und kippt nach vorn. Lemmy starrt mich an, in seinem Blick steht das reine Entsetzen. Noch immer rammt er ihm seinen Schwanz in den Arsch, er scheint nicht aufhören zu wollen. Er fickt eine verdammte Leiche.
Ein wunderschöner, gezackter Blitz durchzieht den Himmel und ein lautes Krachen folgt. Der Regen schlägt in Strömen nieder, als gäbe es kein Morgen mehr. Ich blicke rüber zu James, er steht vor dem Erdloch und starrt mich an. Leckt mich doch am Arsch, wo bleibt die Antwort auf meine Frage?
,,Kann sich einer von euch vielleicht dazu motivieren, mir zu antworten?ˮ
Die Frage zaubert James ein Grinsen ins Gesicht und gibt Lemmy den entscheidenden Anstoß aufzuhören, den Toten in den Arsch zu ficken.
,,Fraaankyyyy. Was würdest du tun, wenn du ich wärst?ˮ
,,Mich erschießenˮ, antworte ich und freue mich darüber, dass immerhin irgendetwas gesagt wurde.
Auf meine Antwort reagiert James mit einem skeptischen Blick. Der Typ im Erdloch schaut um sich und legt einen Arm hinaus, scheinbar um sich abzustützen. Ich zeige mit dem Finger auf ihn, in der Hoffnung, James würde es bemerken, doch er verschränkt die Arme, schiebt seine Unterlippe nach vorn, atmet tief ein und kneift die Augen ein wenig zu.
,,Blödmannˮ, sagt er und hat scheinbar keinen Schimmer, warum ich mit meinem Finger an ihm vorbeizeige.
,,Vielleicht solltest du dich mal untenrum umsehen, mein Freund.ˮ
James richtet seinen Blick nach unten, erst in die falsche Richtung, dann in die Richtige. Sein Opfer hat seinen Oberkörper bereits aus dem Loch gehievt.
,,Wow. Sieh' an, sieh' anˮ, sagt James, geht vor ihm in die Hocke, packt seine Ohren und verpasst ihm zwei Kniestöße auf die sowieso schon demolierten Augen, sodass er gleich einem Kartoffelsack zurück ins Loch rutscht.
Er dreht sich um, zeigt mit dem Daumen in das Loch und nickt lächelnd mit dem Kopf. Je länger ich ihn betrachte, desto mehr muss ich an einen dieser Köter denken, die seit Jahren auf Kofferraumabdeckungen dazu verdammt sind, bei der kleinsten Unebenheit in den Straßen mit dem Kopf zu wippen.
,,Na der traut sich aber wasˮ, sagt James und zwinkert mir zu, bevor er sich wieder von mir abwendet, die Schaufel, die in dem Erdhaufen neben dem Loch steckt, in die Hände nimmt und Schippe für Schippe sein Opfer mit nasser, lastiger Erde überstreut.
Dann spüre ich einen leichten Druck auf meiner rechten Schulter und ich schaue nach. Es ist Lemmy, der seine Hand auf meine Schulter gelegt hat, um meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Das tut er immer. Seine Augen sind gerötet, blau-violette Schatten untermalen seine Augenhöhlen und verleihen seinem Zustand einen eindeutigen Ausdruck, der durch den stinkenden Atem aus seinem Maul Unterstützung findet. Er kommt näher und schreit seine Worte in mein Ohr, als stünden wir neben einer laufenden Flugzeugturbine.
,,Willst du wissen, was passiert ist, man?ˮ
Ich bin mir nicht sicher, ob er in seinem Zustand die Erinnerungen der richtigen Nacht zusammenhalten kann, doch mein Interesse ist groß genug, um selbst einem zugedröhnten Leichenficker mein Ohr zu schenken. Ich nicke und höre James leise ein fröhliches Liedchen singen, während er sein schreiendes Opfer begräbt. Einige Sekunden verbringe ich damit, zu warten, dass Lemmy beginnt, zu erzählen und kann dabei zusehen, wie sich seine Augen langsam schließen und sein Kopf Zentimeter für Zentimeter auf meine Schulter sinkt.
,,Lemmy?ˮ
Er öffnet die Augen und hebt den Kopf wieder an.
,,Ja?ˮ
,,Magst du mir jetzt erzählen, was passiert ist?ˮ
,,Ja... natürlichˮ, antwortet er und hustet mir ins Gesicht.
,,Hör zu.ˮ

Ich laufe durch das Wohnzimmer, schubse die feiernden Wichser aus dem Weg und muss das Nasenbein eines jungen Mannes brechen, der nach meinem beschissenen Problem fragt. Er fällt um, sein Kopf schlägt auf und das Blut spritzt über den Teppichboden, als ich ihm ins Gesicht trete. Alle starren mich an. Das kommt mir bekannt vor. Ich setze meinen Weg zum Wohnzimmertisch fort, um mir nach der vierten Line Koks und 'ner Menge Mescalin noch einmal feinstes Kokain zu verpassen. Mein Magen arbeitet schwer, seit Stunden unterdrücke ich den Reiz und auch das Bedürfnis, einem weiblichen Gast auf die Titten zu kotzen. Heute will auch ich mich mal benehmen. Es ist keine leichte Aufgabe, das Gleichgewicht zu halten, denn der Boden unter meinen Füßen ist sehr wellenreich. Ab und zu schwimmt mir ein kleines Fischerboot über die Schuhe, auf dem ein Fischer nach meinen Schuhsohlen zu fischen versucht. Er hat einen langen Bart und eine Pfeife zwischen den Lippen. Ich mag ihn, seine Anwesenheit lässt mir ein Lächeln entweichen. Mescalin ist so geil.
Ich sehe mich um, habe viele gut gelaunte Menschen um mich und einen Mann auf dem Boden, der sich das Gesicht hält. Bewunderswert, sich hier auf hoher See die Hände ins Gesicht zu halten, wo es doch so sehr blutet. Es dauert eine Weile, bis ich bemerke, dass jemand mit mir spricht. Leise und Wort für Wort marschiert die Frage in meine Gehörgänge.
,,Kommst wohl zu spät, was?ˮ
Da stehe ich nun. Allein mit meinen Sorgen und den letzten Krümeln Koks auf dem Tisch. Lemmys Visage sehen zu müssen, wirkt nicht sehr tröstend, meine Augen werden immer wässriger und da ist sie. Die erste Träne seit sieben Jahren, die Erste, seitdem mir meine dreckige Ex meinen verdammten Schwanz zerkaute. Die Musik ist laut, die Übelkeit erdrückend und plötzlich höre ich diese schreckliche Stimme.
,,Hey Frank, mein Süßerˮ, lässt sie verlauten.
Ich drehe mich um und falle dabei fast auf's Maul. Ein breites Lächeln, wunderschön weiße Zähne, tolle Augen und doch nur eine Nutte.
,,Wir wär's, Bock zu ficken?ˮ
Nicht eine einzige Sekunde vergeht, nachdem ich ihre prallen Brüste erblicken konnte, und ich kotze ihr auf das gepflegte Dekoleté.
,,Wieso steckst du dir nicht 'ne Drahtbürste in den Arschˮ, frage ich und lächle sie an.
Sie dreht sich um und rennt aus dem Zimmer, ich wende mich Lemmy zu, der sich vor Lachen kaum auf den Beinen halten kann.
,,Verdammt, Lemmy. Wo kriege ich jetzt Kokain her?ˮ
,,Scheiß auf Koka, man. Ich habe den ultimativen Kick, Alter.ˮ
,,Du hast ständig irgendwas ultimatives und es taugt meistens nicht mal zum fickenˮ, sage ich und schnipse ihm gegen die Stirn.
,,Ich schwör's, man. Die Scheiße wird dich vom Hocker schießen. Es ist das ultimative Erlebnis, der krasseste Adrenalin-Kick deines Lebens.ˮ
,,Werde ich sterben?ˮ
,,Spasst, natürlich wirst du sterben. Aber nicht heute Nachtˮ, sagt Lemmy und schnipst gegen meine Stirn, was mich etwas aus dem Gleichgewicht bringt.
,,Fuck, was soll's. Gib her den Shit.ˮ
,,Wusste ich's doch. Komm mit.ˮ
Wir arbeiten uns durch die Menge und verlassen den Raum. Was immer er jetzt präsentiert, ich werde ihn persönlich in die Hölle befördern, wenn es nicht annähernd ultimativ ist.

Der Gestank von Scheiße steigt in meine Nase und langsam öffne ich die Augen. Über mir schwingt eine Leuchtstoffröhre, die Fassung ist aus der Decke gerissen und hängt nur noch an der stromliefernten Leitung. Ich spüre dieses Pochen im Stirnbereich, es ist stark, es ist fies. Mein Körper ist verkrampft, alles drückt, zieht und sticht und das Atmen fällt schwer. Der Hals ist trocken, die Atemwege verengt, ich habe das Gefühl, meine Augäpfel schieben sich aus den Höhlen. Vorsichtig drehe ich meinen Kopf nach rechts und blicke in die Augen einer jungen Frau. Ihr Unterkiefer gleicht einem Trümmerhaufen, das Gebiss liegt in einer Lache aus Blut und Kotze, die Zähne einzeln rundherum. Nicht ein einziger Funken Leben steckt. in ihrem starren Blick. Sie ist fertig. Auf ihrem Schädel türmt sich ein Haufen Scheiße, der mit Spermien verziert wurde. Fuck, was zur Hölle ist hier passiert?
Langsam richte ich mich auf und komme auf die Beine, nachdem sich mein Kreislauf gefangen hat. Regale, bestückt mit Süßigkeiten, Chips, Zeitschriften, Haushaltsartikeln und Getränken, bilden mehrere Reihen. Am Ende meiner Reihe ist eine kleine Verkaufstheke zu sehen, auf der ein weiterer lebloser Körper liegt. Zersplitterte Knochenstücke stehen von seinem Schädel ab, das Spirituosenregal hinter der Verkaufstheke ist blutbespritzt und noch immer tropft das Blut, das aus seinen Ohren läuft, von der Theke auf den Boden. Ich wende meinen Blick ab und wage den ersten Schritt. Die Knie sind weich, das Gleichgewicht gestört und mein Blickfeld eingeschränkt. Schritt für Schritt gehe ich zur Tür, die mich nach draußen führen wird. Raus in den strömenden Regen.
Ich taumle an den Zapfsäulen vorbei und setze meinen Weg durch den Schlamm fort. Die Dunkelheit und die Regentropfen versperren die Sicht und plötzlich reißt mich ein Windstoß zu Boden. Wie ein Hund knie ich auf allen Vieren und schnappe nach Luft. Ein Blick nach vorn lässt zwei Gestalten erkennen. Ich stehe auf und laufe weiter. Nach wenigen Schritten bin ich nahe genug, um zu erkennen, was hier vor sich geht. Ein Mann schaufelt sein eigenes Grab, ein Anderer lässt die Qualen des Analverkehrs über sich ergehen. Scheiße. Was ist das hier? Alles tut weh, mir ist schlecht. Das erste Mal in meinem Leben... will ich einfach nur nach Hause.

 ,,Undˮ, fragt Lemmy und klopft auf meine Schulter. 
 ,,Du kannst mir jetzt nicht erzählen, dass das kein ultimativer Trip war.ˮ
Einige Sekunden vegehen. James singt, Lemmy schweigt. 
 ,,Neinˮ, sage ich und betrachte den Ort des Geschehens.
Ich brauche einen Moment für mich, einen kurzen Moment, um zu verinnerlichen, was in dieser Nacht geschehen ist. Denn das alles hier... ist 'ne verdammt kranke Scheiße.